Geschichtsverein Rösrath
      Aktuell

     
 
Haus Eulenbroich, Torhaus,
Sitz des Geschichtsvereins

geöffnet:
donnerstags von 16-18 Uhr
     

Haus Stade
Rösrather Denkmal des Monats Mai 2014

Von dem 1631 errichteten Gebäude sind beim Wiederaufbau 1842 nur Teile des aufgehenden Mauerwerks verwendet worden. Das Haupthaus besteht aus mehreren verschachtelten Bauteilen und war ursprünglich wohl von einem Wassergraben umgeben. Den Grundbau bildet ein zweigeschossiges Satteldachhaus mit Krüppelwalmen im Mittelteil. Der Hauptbau ist massiv und verputzt, ebenso wie der westlich anschließende dreigeschossige Turm, der mit einem flachen Zeltdach versehen ist. An der südlichen Traufseite ist das wiederverwendete Wappen von 1631 eingelassen. An der Hofseite ist eine gußeiserne Takenplatte eingemauert, die ein Johanniterkreuz und die inschriftliche Datierung 1626 zeigt. Sie wurde im Erdboden vor dem Haus gefunden und nachträglich in die Hauswand eingesetzt. An den schlanken Satteldachbau ist an seiner Süd- und Ostseite je ein eingeschossiger Erker angesetzt, der über einer hohlkehlenartig eingeschwungenen Auskragung auslädt. Südöstlich des Haupthauses hat sich auf einer Anhöhe noch ein Teil der Stallungen, bestehend aus zwei im rechten Winkel aneinander gesetzten Fachwerkbauten, erhalten.

Ein Rittergut mit reichen Besitzungen
In einem Wiesengelände an der Straße nach Lüghausen, seit dem Eisenbahnbau 1909 von Hoffnungsthal durch den mächtigen Damm mit dem Bahnhof abgeschnitten, liegt das „Haus Stade“. Die Gebäude wurden 1842 an dieser Stelle neu errichtet, nachdem der Vorgängerbau aus dem Jahre 1642 niedergebrannt war. Über dem Eingang auf der Südseite erinnert ein Wappenstein aus dem Jahre 1631 an die Familie von Loë, deren Name besonders mit der ehemaligen Wasserburg verbunden ist. 1450 gelangte die Familie von Loë in den Besitz dieses Rittergutes, das 1363 erstmals urkundlich erwähnt wurde und reich an Besitzungen war, die sich bis auf die fruchtbaren Höhenrücken der Hoffnungsthaler Berge erstreckten. Zusammen mit den Herren der Häuser Venauen und Eulenbroich war es Gerhard Wilhelm von Loë, der zur Gründung des Klosters 1672 in Rösrath beitrug: Da er und die Familien in Venauen und Eulenbroich katholisch geblieben waren, wünschten sie sich eine „ortsnahe seelsorgliche Betreuung“, da die Katholiken nach der Gründung der evangelischen Gemeinde in Volberg zur Pfarrei Altenrath gehörten und lange Wege durch das Sülztal bis in die Wahner Heide zur Kirche in Kauf nehmen mussten. Als dann aber Gerhard Wilhelm starb und seine letzte Ruhestätte in Rösrath erhalten hatte, trat seine Frau nach ihrer Hochzeit mit Adolf von Landsberg wieder dem evangelischen Glauben bei, wurde in Volberg beerdigt, was die Kinder veranlasste, fortan die Volberger Kirche zu unterstützen – ein recht typisches Beispiel für die ehemals konfessionell streng geteilte Gemeinde Rösrath. Die für die Familie reservierten Kirchenstühle in der Volberger Kirche zeugen heute noch davon.

Von der Serumstation zur Denkfabrik
Eine völlig neue Funktion hatte Haus Stade nach dem Ersten Weltkrieg als Pferdegestüt und Produktionsstätte für Impfserum, geführt von einer Hoffnungsthaler Familie. In dieser Serumstation, in der bis zu 100 Pferde gehalten wurden, produzierte man ein Serum für die Entwicklung von Antikörpern gegen Diphtherie und Tetanus. Nach einer längeren privaten Nutzung seit 1953 erfuhr Haus Stade im 21. Jahrhundert starke Veränderungen. Die Netempire AG, ein auf Individuallösungen spezialisiertes Softwareunternehmen, verlegte ihren Sitz nach Hoffnungsthal und schuf in der 3 ha großen Anlage von Haus Stade Büroarbeitsplätze auf hohem Ausstattungsniveau und ein umfangreiches Sozialangebot mit Fitnessraum, Sandplatz für Volleyball und Beachsoccer und Badminton, Bogenschießanlage sowie einem hochwertigen Essensangebot mit eigener Köchin. Der gesamte Standort wird heute CO2-neutral und bedacht nachhaltig betrieben. Entsprechend der ältesten Urkunde nutzen sie für ihren Firmensitz die historische Schreibweise „Haus Staade.“ Die neueste Errungenschaft: eine betriebliche Kinderbetreuung, die nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch Eltern aus Rösrath offensteht.


Literatur:
Schriften des Geschichtsvereins Rösrath:
- Klaus-Dieter Gernert, Helmut Wolff u.a., Chronik der Gemeinde Rösrath Bd. 1
- Schriftenreihe Bd. 36, Hoffnungsthal - ein geschichtliches Bilderbuch
Schriften der Stadt Rösrath:
- Barbara Wenig, Rösrather Geschichtspfade (Route 1, S. 57 ff.)
Alle Schriften erhältlich beim Geschichtsverein Rösrath und im örtlichen Buchhandel
Die bisherigen Denkmale des Monats finden Sie, wenn Sie dem nachfolgenden Link für weitere Informationen folgen:
Denkmale des Monats