Geschichtsverein Rösrath
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Barbara-Kapelle Hellenthal
Rösrather Denkmal des Monats Dezember 2014

Von Burgen, Rittern, Reue und Buße
Die Sage kennt einen Ritter von Burg Hellenthal, der sich zu Zeiten Kaiser Barbarossas einem Feldzug ins Heilige Land angeschlossen hatte. Im Zuge eines Familiendramas bestrafte der Ritter, der kurz nach seinem Aufbruch noch einmal nach dem rechten schauen wollte, seine Magd und seine Mutter mit dem Tode, weil sie seine neugeborenen Zwillinge getötet und seine Frau eingekerkert hatten. Aus Reue soll er neben der Burg eine Kapelle errichtet haben. Während das oberhalb der Kapelle stehende Burghaus aus dem 15./16. Jahrhundert tatsächlich auf einem Vorgängergebäude aus dem Mittelalter steht, wurde die Kapelle 1683 errichtet, wie man auf dem Balken über der Türe erkennen kann. Der Überlieferung nach ist es eine Stiftung der Kölner Bürgermeisterfamilie zum Pütz, die mit dem Kapellenbau an den tragischen Tod von Hermann von Pütz erinnern wollte, der am 27. Februar 1659 im Rhein ertrunken war. Die Patronin der Kapelle, die heilige Barbara, die im Innern des Kirchleins neben dem Altarbild zusammen mit der Heiligen Katharina dargestellt wird, ist seit dem 14. Jahrhundert die Patronin der Bergleute, also ein Hinweis auf den Bergbau am Lüderich auf der gegenüberliegenden Seite des Sülztals. Während der Verkehr auf der alten „Provinzialstraße Rath - Untereschbach“ heute unterhalb der Kirche fließt, führte die alte Verbindung durch Hellenthal am Eingang der Kapelle vorbei.

Von der ersten Urkunde bis zur Kopie im Freilichtmuseum
Die entlang der Straße nach Immekeppel heute noch existierenden Kreuzwegstationen erinnern an die Prozessionen, die vom Sülztaldom ausgehend nach Hellenthal führten. Der nur von der Seite zu begehende Gang bot den Gläubigen einen Blick durch die Tür auf den Altar im Innern der Kapelle. Aber auch Messfeiern und Taufen fanden in der kleinen, ehemals zum Kirchspiel Bensberg gehörigen Kapelle statt. 2012 erhielt die Barbara-Kapelle aus Hellenthal einen Doppelgänger im LVR-Freilichtmuseum in Lindlar: Mit Unterstützung von Förderverein und ehrenamtlichen Helfern wurde die Kapelle in Fachwerkbauweise originalgetreu im Zustand von 1930 auf einer Anhöhe errichtet, mit Blick auf das Museumsgelände und das oberbergische Land, und im Dezember eingeweiht.

Das Denkmal
Die Kapelle besteht aus einem kleinen Fachwerkbau mit jeweils fünf Gefachen auf den Traufseiten und drei auf den Giebelseiten, ausgemauert mit Backsteinen. Auf dem verschieferten Satteldach befindet sich ein kleiner Glockenreiter mit vierseitiger geschwungener Haube. Der Innenraum trägt eine flache Stuckdecke. Im Chor befindet sich ein hölzerner Altaraufsatz mit korinthischen Säulen und Akanthuswangen, die das Ölgemälde „Ruhe auf der Flucht“ einfassen. Rechts und links daneben die erwähnten farbig gefassten Holzplastiken der Heiligen Barbara und der Heiligen Katharina (um 1700). Die Laube vor dem Eingang, die die Gläubigen bei der Prozession durchschritten, ist heute allseitig geöffnet. Auf die Prozession weisen die Kreuzwegstationen zwischen Immekeppel und Hellenthal hin, von denen u.a. in Hellenthal die Station „Gebet am Ölberg“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite erhalten ist. Die Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt in Untereschbach, zu der die Kapelle heute gehört, hat sich um die umfassende Renovierung 1987/88 ebenso verdient gemacht wie die Stadt Rösrath, auf deren Gebiet das Gotteshaus seit der Gebietsreform 1975 steht.


Literatur:
- Geschichtsvereins Rösrath, „Rösrather Denkmäler“, Heft 1, Rösrath 1988
- Willy Daubenbüchel, Die Hellenthaler Kapelle, Bensberg 1993

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