Rathaus Hoffnungsthal

Eigentlich ist das Gebäude an der Hauptstraße 229 in Hoffnungsthal bereits über 150 Jahre alt: 1865 wurde der Bau als „neues Schulhaus“ eingeweiht mit zwei Klassenräumen, einem Lehrmittelraum sowie einer Lehrerwohnung im Dachgeschoss. Mit den Mieteinnahmen eines weiteren Gästezimmers konnte 1873 das begehrte Bild „Kaiser Wilhelm“ angeschafft werden. Als die Schülerzahl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rapide anstieg und außerdem die Kinder in Lüghausen ihr Schulgebäude durch Brand verloren, wurde ein neues Schulgebäude am Knipperbach errichtet, das heute noch die Hoffnungsthaler Grundschule beherbergt. Während die Rösrather Bürgermeister bis dahin in ihrer Residenz arbeiteten – Bürgermeister Gammersbach zunächst im Haus Steeg und später in Venauen, Robert Rohr in Haus Eulenbroich und Franz Leyhausen in seinem Hoffnungsthaler Wohnhaus – diente das Gebäude ab den 1880er Jahren als öffentliches „Bürgermeisteramt Volberg“. Die aufstrebende Industrie am ehemaligen „Hoffnungsthaler Hammer“ prägte dann auch den Ortsnamen „Hoffnungsthal“ und drängte die über 1000 Jahre alte Bezeichnung „Volberg“ in den Hintergrund, was zu einigen Protesten führte. Während das Schild mit dem Adler und dem Schriftzug „Bürgermeisteramt“ zunächst bescheiden über der Türe des Nebengebäudes hing, wurde nach dem Umzug der Schule in den Neubau am Knipperbach auch das Hauptgebäude Verwaltungssitz der Gemeinde. Im Zuge eines überall spürbaren wirtschaftlichen Aufschwungs wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts Wünsche nach einem repräsentativen Umbau laut. Beauftragt wurde kein geringerer als der bekannte Architekt Hermann Eberhard Pflaume, der zuvor bereits Haus Eulenbroich entsprechend umgebaut hatte. Nach zweijähriger Bauzeit konnte das Gebäude 1913 – erneut – eingeweiht werden. Hermann Eberhard Pflaume wurde 1869 in Aschersleben geboren und wuchs nach dem frühen Tod seines Vaters bei seinem Onkel, dem bekannten Kölner Architekten und Stadtrat Hermann Otto Pflaume, dem Erbauer des Cölner Centralbahnhofs von 1859, auf. Nach Studium und ersten Dienstjahren in Karlruhe übernahm er 1901 das Architekturbüro seines Onkels in Köln. Seine Vorliebe für barocke Formen und seine Beziehung zur niederländischen Architektur schlagen sich in vielen seiner Werke wider, so auch im Hoffnungsthaler Rathaus. In seinem zwanzigjährigen Schaffen errichtete er zahlreiche bekannte Kölner Gebäude, eines der bekanntesten davon ist der Olivandenhof. In Rösrath baute er sich 1908 das „Sommerhaus Pflaume“ und erhielt dort zahlreiche Aufträge.

Literatur:

  • Geschichtsverein Rösrath, Hoffnungsthal – ein geschichtliches Bilderbuch, Schriftenreihe Band 36, Rösrath 2006
  • Geschichtsverein Rösrath, Schriftenreihe Bd. 47, „denk mal: 112 denkmalwürdige Objekte im Stadtgebiet Rösrath“, Rösrath 2017
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