Der Abt zu Prüm und die Ritter zu Forsbach
Sie spielten ihre Rolle in der Geschichte der Stadt Rösrath nicht gleichzeitig: die Äbte des Klosters Prüm in der Eifel verzeichneten „Vogelberhc“ und die Abgaben seiner Bewohner bereits 893 in einem Güterverzeichnis, die Ritter von Forsbach werden jedoch erst im 16. Jahrhunderts erwähnt, als sie das „Kollationsrecht“, d.h. das Recht den Pfarrer von Volberg einzusetzen, innehatten. Dazwischen liegen viele hundert Jahre mehr oder weniger im Dunkel der Geschichte, in die der Geschichtsverein Rösrath seit 1978 ein wenig mehr Licht gebracht hat, nachzulesen vor allem in der „Chronik der Gemeinde Rösrath“ aus dem Jahre 1993. Immerhin geben die wenigen Zeilen der mittelalterlichen Quelle, die übrigens nur aus einer mehr als 300 Jahre später angefertigten Abschrift bekannt ist, ein grobes Bild von der Siedlung rechts des Rheins um die Zeit ihrer Entstehung im 9. Jahrhundert, die wohl die Ostflanke der königlichen Besitzungen markierte: Ein Herrenhof mit 11 bäuerlichen Kleinbetrieben, darunter 20 Morgen „in Priesterhand“. U.a. die Ortsbezeichnungen „Alt-Volberg“ und „Zum Wiedenhof“ brachten die Lokalhistoriker zu dem Schluss, dass sich die erwähnte Siedlung auf den Höhen von Forsbach befand. Wann und wie es allerdings zum Kirchbau am Ende des Hohlwegs von Forsbach hinunter ins Sülztal zur Furt in der Nähe der heutigen Kirche gekommen ist, bleibt wohl weiteren Forschungen vorbehalten.
Von der Romanik zu Rokoko und Klassizismus
Die Volberger Kirche im Sülztal erfreute sich stets der Unterstützung der Adeligen, die dafür Grablegen und Kirchenstühle nutzten. Gut 200 Jahre nach der Reformation war die alte romanische Kirche, wann immer sie entstanden war, viel zu eng geworden, so dass das dreischiffige Langhaus abgerissen und durch einen wesentlich größeren Bau ersetzt wurde; die Einweihung fand 1790 statt.
Das Besondere der Volberger Kirche: die Ostturmanlage mit der romanischen Apsis blieb unverändert erhalten, und während auch der untere, „romanisch gebliebene“ Teil des Kirchturms stehen blieb und mit dem alten romanischen Taufstein zu einer kleinen Kapelle wurde, erhielt das neu errichtete Langhaus an seiner Ostseite einen Kanzelaltar, eine über die Grenzen Volbergs hinaus bekannte prachtvolle dreigliedrige Gestaltung mit Altartisch, darüber liegender Kanzel und einem bis ins Kirchengewölbe reichenden Orgelprospekt, der die Elemente des Gottesdienstes symbolisiert: Liturgie, Predigt und Musik. Der Kanzelkorb wird von Säulen und Pfeilern mit korinthischen Kapitellen gehalten. Kanzelkorb und Schalldeckel sind mit Ranken im Louis XVI-Stil verziert. An Glaubenssymbolen findet man sowohl die Taube, Sinnbild des Heiligen Geistes, als auch das „Auge Gottes“ in einem Strahlenkranz sowie oberhalb des Schalldeckels die Gesetzestafeln, Altes und Neues Testament und schließlich Kreuz und Kelch als Sinnbild für das Abendmahl. Darüber wurde 1790 die damals bereits fast 100 Jahre alte Weidtmann-Orgel wieder eingebaut. Bekrönt wird die Wand von einem Posaune blasenden Engel.
Das Denkmal
Das neu errichtete Langhaus aus Bruchsteinmauerwerk hat an der Westseite durch die abgeschrägten Ecken einen dreiseitigen Abschluss. An den Längsseiten liegen je drei hohe Rundbogenfenster. Unter den mittleren Fenstern befinden sich zweiflügelige Holztüren, darüber auf der Südseite die Jahreszahl 1788. Der nördliche Eingang wird im Volksmund „Forsbacher Eingang“ genannt, vermutlich deshalb, weil sich hier einst Grablege und Kirchenstuhl der Herren von Forsbach befanden, während auf der Südseite bis heute die Kirchenstühle der Familie von Loë von Haus Stade erhalten sind. Das lang gestreckte Kirchenschiff ist mit einer Längstonne über einem kräftigen Kranzgesims eingewölbt. Emporen befinden sich an Süd-, West- und Nordseite, von ionischen marmorierten Holzsäulen gestützt. Kirchengestühl und Wandvertäfelung aus der Erbauerzeit sind in Gold- und Rottönen farbig gefasst. Die moderne Orgel auf der Westempore ist klanglich mit der Weidtmannorgel an der Ostseite so abgestimmt, dass beide Instrumente gleichzeitig gespielt werden können. Die Volberger Kirche enthält eine Fülle von weiteren Ausstattungsdetails wie zum Beispiel den Taufstein aus Lindlarer Marmor aus dem Jahre 1703 oder die Totenschilde in den Treppenaufgängen.
Literatur:
- Helmut Wolff u.a., Volberg, Forsbach und Rösrath im Mittelalter, in: Chronik der Gemeinde Rösrath, Band 1, S. 101 ff., Rösrath 1993
- Karl-Heinz Fallaschinski, Die Evangelische Kirche Volberg, „Rösrather Denkmäler“ 2, Rösrath 1990
- Gabriele Emrich (Hrsg.), 450 Jahre Evangelische Gemeinde Volberg, Schriftenreihe Geschichtsverein Rösrath, Band 41, Rösrath 2011
- Michael Werling mit Erika Wagner und Elisabeth Klein, Volberg – Vom Kirchhof zum Friedhof, „Rösrather Denkmäler“ 9, Rösrath 2012
- Barbara Wenig, Rösrather Geschichtspfade, S. 47 ff, Rösrath 1994
- Geschichtsverein Rösrath, Schriftenreihe Bd. 47, „denk mal: 112 denkmalwürdige Objekte im Stadtgebiet Rösrath“, Rösrath 2017
