Ehem. Bensberger Rathaus

Vom Forsthaus zum Rathaus

Wenngleich Carl Wachendorff das besagte Fachwerkhaus während seiner Zeit als Bürgermeister von Bensberg (1840 – 1874) zu seinem Amtssitz und somit ebenso zum Rathaus von Bensberg machte wie sein späterer Nachfolger Bürgermeister Rausch 1894, so handelt es sich bei dem Gebäude jedoch ursprünglich um das Haus des Forstinspektors Wilhelm Fromm. Der gebürtige Düsseldorfer bewarb sich bereits 1802 in den kurfürstlichen Dienst und kam 1810 als Unterforstinspektor nach Bensberg. 1811 musste er seine Wohnung im Alten Schloss räumen, weil Kaiser Napoleon hier ein Lazarett für die im Russlandfeldzug verwundeten Soldaten einrichtete. Als er in preußischer Zeit ab 1815 seinen Beruf weiter ausüben konnte, kaufte er kurz darauf das Fachwerkhaus an der „Stollgasse“. Von hier verwaltete der Königlich Preußische Forstinspektor nicht nur die Wälder zwischen Wupper und Sieg, sondern auch die linksrheinischen Waldgebiete von Kottenforst und Vorgebirge. Zu seinen Verdiensten gehört die Aufforstung des Königsforstes, der durch den Raubbau der Franzosen und die Willkür der armen Bevölkerung stark gelitten hatte. Schwiegersohn Wachendorff übernahm nach Fromms Tod 1840 das Haus und wirkte als Bensberger Bürgermeister von hier aus segensreich für Bensberg und Umgebung, So ließ er u.a. auch die Straße nach Rösrath bauen, auf der das Haus später nach Forsbach transportiert werden sollte.

Vom Konsum zum Schreibwarengeschäft

Ein sprunghafter Anstieg der Bevölkerung zu Ende des 19. Jahrhunderts ließ in Bensberg den Ruf nach einer Höheren Schule lauter werden. So bewilligte der Gemeinderat – Bensberg war bis 1975 eine eigene Kommune – 1902 eine Höhere Schule, das spätere „Progymnasium“. Für den Neubau musste das mittlerweile im Besitz der Zivilgemeinde befindliche „Fromm’sche Haus“ weichen. Heinrich Forsbach aus Forsbach erwarb die gut erhaltene Fachwerkkonstruktion und ließ sie von einem Zimmermeister an der Bensberger Straße wieder aufbauen. Die heute nicht mehr sichtbaren Balken sind mit Jahreszahlen, Sprüchen und figürlichen Darstellungen versehen. Eine ehemalige Bewohnerin berichtete, dass die einst offene Laube vor dem Eingang abends oft von Liebespaaren „besetzt“ gewesen sei. In der Zeit zwischen den Weltkriegen wurde das Gebäude als Zweigstelle des Konsumvereins „Hoffnung“ (später Konsum) genutzt, einem Lebensmittelgeschäft, das ursprünglich vorwiegend für Arbeiter gedacht war. Seit der Nachkriegszeit dienen die Geschäftsräume im Hause der Familie Wagner als Schreibwarengeschäft, das aus dem Ortsbild von Forsbach nicht wegzudenken ist.

Das Denkmal

Während der wenige Meter entfernt stehende ehemalige Forsbacher Hof, der einst aus der Siedlung Schwiegelshohn im Königsforst nach Forsbach transloziert wurde und dort große Bedeutung erlangte, den Status des eingetragenen Denkmals durch Neubaumaßnahmen verloren hat, ist das fast 250 Jahre alte Fachwerkhaus aus Bensberg nie eingetragenes Denkmal gewesen. Dennoch gehört es zu den geschichtsträchtigsten Bauwerken der Umgebung. Am besten beschrieben ist das Fachwerkhaus, dessen Eichenbalken bis heute kerngesund sind, in einem Pachtvertrag von 1840: „Das Dach mit Pfannen auf Strohpuppen, mit Schiefern eingefasst, mit Blechdachrinnen versehen und mit einem bis zur Erde mit Schiefer bekleideten westlichen Giebel, die Küche mit einem Spülstein nebst Fournaise (Ofen) mit sieben Löchern und Backofen.“ Der in der Mittelachse befindliche Vorbau umfasste Anfang des 20. Jahrhunderts im Erdgeschoss auch in Forsbach noch eine offene Laube, die später als Windfang geschlossen wurde. Die Fachwerkkonstruktion ist durch die heutige Fassadenverkleidung nicht mehr zu erkennen.

Literatur:

  • Forsbach – Vom Leben eines Dorfes zwischen Königsforst und Sülztal, Schriftenreihe Geschichtsverein Rösrath, Band 26, 2. Auflage Rösrath 2014, S. 58 – 60 – Willy Daubenbüchel, Wenn das Haus des Forstinspektors Fromm erzählen könnte, Bensberg 1995
  • Geschichtsverein Rösrath, Schriftenreihe Bd. 47, „denk mal: 112 denkmalwürdige Objekte im Stadtgebiet Rösrath“, Rösrath 2017
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