Forsbacher Mühle

Zu vermuten ist, dass der Platz der heutigen Forsbacher Mühle schon in frühester Zeit bewohnt gewesen ist. Eine schriftliche Erwähnung gibt es erst aus dem Jahre 1618, als Dietrich von Mosbach, genannt Breidenbach, Herr des Hauses Forsbach, die Mühle am Weierbach errichten ließ. Der heute teilweise verrohrte Weierbach entspringt in einem Sumpfgelände, das sich hinter dem Gasthof Müllenbach („Whisky Bill“) befand. Nach der Gründung liegt die Geschichte der Mühle zunächst über 200 Jahre lang im Dunkeln. Erst ein Mühlenkataster, das die Zeit von 1837 – 1852 umfasst, zählt die acht Mühlen in der Gemeinde auf, darunter auch die Forsbacher Mühle. Als Besitzer wird 1837 Johann Peter Schuh genannt. Nach dessen Tod 1851 geht die Mühle an den Rösrather Christian Breidenbach über, der sie an Jakob Höller verpachtete. Im Mai 1876 nennt eine Gewerbetabelle der Bürgermeisterei Rösrath Thomas Wielpütz als Mühlenbesitzer. Laut Mühlenkataster wurde die jährliche Steuersumme von sechs auf vier Reichsthaler reduziert, da der Ertrag recht gering gewesen sein muss. Im Sommer musste der Mühlenbetrieb oft wegen Wassermangel, im Winter wegen des zugefrorenen Bachlaufs eingestellt werden. Dies könnte ein Grund für den häufigen Besitzerwechsel gewesen sein, auch vielleicht für die Ergänzung des Mühlenbetriebs um eine Gastwirtschaft im Jahre 1880. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gehörte die Mühle Gustav Wolf, einem Kaufmann und Maschinen-Fabrikanten aus Linden in Westfalen. Ihm war aber weniger an der Mühle gelegen, er plante, im Königsforst Eisenerz und Zink zu schürfen, offensichtlich jedoch nicht mit durchschlagendem Erfolg. Im Archiv der Gemeinde Rösrath befindet sich eine Schankerlaubnis, die 1905 „dem Johann Lempertz zu Forsbachermühle“ ausgestellt wurde. Lempertz war Besitzer von 1902 – 1908. In die Zeit des Besitzers Hubert Lehmann (1908 – 1919) fällt die Stilllegung der Mühle um 1912. Der Mahlbetrieb hat sich offensichtlich nicht mehr gelohnt, nachdem viele Forsbacher seit Errichtung der Eisenbahnlinie Köln – Mülheim – Bensberg – Rösrath – Immekeppel ihr Auskommen nun in den erreichbaren Fabriken der Nachbarorte fanden und die landwirtschaftliche Nutzung rückläufig war. Aber umgekehrt kamen auch die ersten Ausflügler aus der Großstadt mit der Straßenbahn in den Königsforst und wanderten durch die grüne Lunge des Staatsforstes hinauf auf die ersten Höhen des Bergischen Lands. Oft nahmen sie auch den oben erwähnten Zug, der ab 1890 über Bergisch Gladbach und Bensberg ins Sülztal fuhr oder kehrten mit ihm in die Stadt zurück. Nach 1910 wurde für die Rückfahrt auch die direkte Strecke Rösrath – Königsforst – Kalk genutzt. Für Menschen aus allen Schichten spielte das Wander- und Naturerlebnis als Ausgleich für die enge und industriebelastete Großstadt eine besondere Rolle. Der Vorort-Rundverkehr der Reichsbahn in den 1920er Jahren bewirkte, dass sich an Wochenenden Tausende ins Bergische aufmachten, natürlich nicht ohne während ihrer Wanderung einzukehren, wozu sich die Forsbacher Mühle besonders eignete. Von 1919 bis 1941 waren die Familien Klingebiel und Sandfuchs Besitzer der Forsbacher Mühle, dann erwarben Johann und Elisabeth Busch das Anwesen, das im Unterschied zu früher inzwischen mehr als ein halbes Jahrhundert im Familienbesitz ist. Anneliese Hartl geb. Busch erzählt vom Leben und Wirtschaften in der Forsbacher Mühle: „Während des Zweiten Weltkriegs waren Soldaten in der Forsbacher Mühle und ab 1944 drei Leute von der Gestapo einquartiert. Die Gestapo-Leute hatten immer die Ohren auf, so dass die Soldaten stets Sorge hatten, beim gemeinsamen Mittagessen ein unbedachtes Wort zu sagen. Im April 1944 haben die Amerikaner drei Tage und drei Nächte hier hereingeschossen. Ein Soldat und eine Russin, die zusammen mit anderen Zwangsarbeiterinnen hier eine Panzersperre errichten sollten, sind tödlich verletzt worden. Eilig rückte die Einquartierung ab. Am nächsten Tag kehrte einer der Soldaten zurück mit dem Auftrag, die bei der Mühle gelagerten Panzerfäuste zu vernichten. Zu meiner Mutter sagte er: ‚Nehmen Sie die Kinder ins Haus. Es gibt nur eine kleine Explosion.‘ Dann trug er die Panzerfäuste oberhalb des Weihers zusammen. Es gab einen ungeheuren Knall, und in der Forsbacher Mühle gab es keine heile Scheibe mehr, keine Tür, das Dach war zerstört. An der Stelle, an der die Panzerfäuste gelegen hatten, war ein großes Loch entstanden. Ich wundere mich noch heute, dass wir das überlebt haben.“ Die nächsten Tage verbrachte Anneliese Hartl mit ihrer Mutter und einer Kölnerin in einem Bunker, den die Soldaten hinter dem Haus etwa 10 Meter weit in die Erde getrieben und wie einen Bergwerkstollen abgestützt hatten. Am dritten Tag kam jemand in die Bunker und sagte: „Sie müssen die weiße Fahne heraushängen!“ In der Nachkriegszeit spielte die Forsbacher Mühle keine unbedeutende Rolle für die Rösrather Bevölkerung: „Von 1947 bis 1951 kochten wir die Schulspeisung für alle Rösrather Schulen. August Schneider aus Forsbach besaß einen alten Wagen mit Holzvergaser; er brachte die Schulspeisung in die Schulen Forsbach, Rösrath, Hoffnungsthal und Großeigen. Wenn es Kakao mit Brötchen gab, mussten meine Eltern in der Nacht 200 Brötchen schmieren. Damals war ein Brötchen ja eine Sensation.“ Nach der Währungsreform begannen die Eigentümer mit der Renovierung und Modernisierung der Forsbacher Mühle. 1952 wurden die ersten Fremdenzimmer eingerichtet und bald darauf ein Bierkeller gebaut. Bis es soweit war, musste die Firma Albert Lüghausen aus Hoffnungsthal mit ihrem alten Opel Blitz oft auch sonntags für Nachschub sorgen. Die ersten Gäste kamen zur Erholung auch aus dem Ruhrgebiet, und bald brachte der Messebetrieb in Köln auch Gäste nach Forsbach. Gemüse, Kartoffeln und Spargel zogen die Buschs im eigenen Garten, Blut- und Leberwurst kamen aus der Hausschlachtung. Bis ins hohe Alter schaffte Frau Busch nach dem frühen Tod ihres Mannes im Gasthof, bis die Mühle 1991 an verpachtet wurde.

Quelle: Geschichtsverein Rösrath, Forsbach – Vom Leben eines Dorfes zwischen Königsforst und Sülztal, Schriftenreihe Band 26, Rösrath 1995

Literatur:

  • Geschichtsverein Rösrath, Schriftenreihe Bd. 47, „denk mal: 112 denkmalwürdige Objekte im Stadtgebiet Rösrath“, Rösrath 2017

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