Forsbacher Hof

Das „Umziehen“ von Fachwerkhäusern war früher nicht unüblich, und so gibt es in Forsbach an der Bensberger Straße gleich zwei Häuser, die man hier wieder errichtet hat: das ehemalige Bensberger Bürgermeisteramt, das in Forsbach bis heute als Geschäftshaus genutzt wird, und ganz in der Nähe den ehemaligen Forsbacher Hof. Im Jahre 1890 kaufte Gustav Freyer im fiskalischen Waldgute „Schwiegelshohn“, einer untergegangenen Siedlung an der Straße von Forsbach nach Bensberg, eine „baufällige Gebäudigkeit“, die zum Abbruch bestimmt war. Er ließ das Haus sorgfältig zerlegen und an der „Forsbacher Hauptstraße“, wie die Bensberger Straße damals hieß, wieder aufbauen. Am 13. Juni 1900 erhielt Carl Naaf die Genehmigung zum Betrieb einer Gastwirtschaft in diesem Haus, er nannte es „Forsbacher Hof“. Das Lokal wurde rasch Ausflugsziel für viele Kölner Bürger, die nach einer Wanderung durch den Königsforst hier Stärkung suchten. Den Fahrplan der damaligen Straßenbahnlinie „K“ (von Köln nach Königsforst) kannte man in Forsbach genau. Eine Stunde nach Ankunft der Bahn an der Endhaltestelle Königsforst erreichten die Gäste den Forsbacher Hof. So konnte man sich in Ruhe auf die erwartete Gästeschar vorbereiten. In großen Zwiebelmusterkannen wurde Kaffee ausgeschenkt, es gab frisches Bier vom Fass oder einen Schoppen Wein und für die Kinder Himbeersaft oder Zitsch, wie die Limonade damals hieß. Der hauseigene Konditor Vogelsberg sorgte für reichlichen Vorrat an frischem Blatz, „Streukoche“ oder „Appel- bzw. Prummetaat“. Bei schönem Wetter saßen die Gäste unter den Kastanien im Biergarten oder auf der Veranda vor dem Haus, die in den 60er Jahren der Straßenverbreiterung zum Opfer fiel, und erfreuten sich an den Klängen der „Lohmar’schen Kapelle“. Doch im Forsbacher Hof war man nicht nur auf Tagesgäste gerüstet. Mehrere Fremdenzimmer standen bereit, die „Sommerfrischler“ aufzunehmen, die – mit Knickerbocker und Kleppermantel wetterfest ausgestattet – die gesunde Waldluft genossen. Nicht wenige kamen Jahr für Jahr wieder. Den Forsbacher Bürgern diente der Forsbacher Hof u.a. als Stammlokal des Männergesangvereins „Concordia“ und der „Treuen Elf“. Viele Alteingesessene erinnern sich noch an die stimmungsvollen Karnevalsbälle sowie an Familienfeierlichkeiten wie Konfirmation, Hochzeiten, Reuessen, die im Saal des Forsbacher Hofes ausgerichtet wurden. Damals, in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens, hatte der Forsbacher Hof mehr als nur Gastronomie zu bieten. Im kleinen Versammlungsraum befand sich ein Geschäft für „Spezereien und Kurzwaren“, in dem die Forsbacherinnen u.a. „Botzeknöpp“ und „Hoffmanns Stärke“ kaufen konnten. Der hauseigene Kohlenhandel lieferte bis weit in die 50er Jahre den Wintervorrat an „Klütten“ und Kohlen. Die zentrale Ortslage machte den Forsbacher Hof für Einheimische und Fremde gleichermaßen zum beliebten Treffpunkt. Dies und die zuverlässige Führung des Hauses durch die Familie Naaf waren sicher auch der Grund dafür, dass er während und nach dem Zweiten Weltkrieg Verpflegungsstation für Soldaten und Flüchtlinge wurde. Und noch eine Besonderheit gibt es vom Forsbacher Hof zu berichten: Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Beginn der 50er Jahre war er Versammlungsraum der damals wenigen Forsbacher Katholiken. Da ihnen in dieser Zeit eine eigene Kirche fehlte, wurde jeden Sonntagmorgen im Sälchen aus einem bereit stehenden Korb ein Altar aufgebaut und anschließend die Messe gelesen. Beichtgelegenheit wurde vorher im Schankraum geboten. Während das Gebäude die Translozierung vom Tütberg überstanden hatte, ging beim Umbau im 21. Jahrhundert in eine seniorengerechte Einrichtung die Denkmalwürdigkeit verloren, weil die entscheidende Fassade zunächst widerrechtlich abgerissen wurde, wenn auch das heutige Erscheinungsbild die Bedeutung des Hauses erkennen lässt.

Quelle: Geschichtsverein Rösrath, Forsbach – Vom Leben eines Dorfes zwischen Königsforst und Sülztal, Schriftenreihe Band 26, Rösrath 1995

Literatur

  • Geschichtsverein Rösrath, Schriftenreihe Bd. 47, „denk mal: 112 denkmalwürdige Objekte im Stadtgebiet Rösrath“, Rösrath 2017
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