Von Burgen, Rittern, Reu und Buße
Aus der über 500 Jahre langen Geschichte der Burg
Die Sülzer Burg, auch Haus Scheltensülz genannt, ist nicht nur eines der ältesten Häuser des Bergischen Landes, sondern hat vor allem größtenteils seine mittelalterliche Bausubstanz erhalten. Während die Burg selbst in den letzten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts errichtet worden ist, hat die Familie Schelten bereits 1400 das „Erbgut zur Sulzen“ von Herzog Wilhelm von Jülich als Lehen erhalten. Die Reihe der Besitzer ist lang, unter ihnen auch für die Gemeinde wichtige Persönlichkeiten wie Rudolph Philipp Boullé, der 1774 den Hoffnungsthaler Hammer errichtete, oder die Gebrüder Reusch, die aus dem Hammerwerk 1816 eine Metallfabrik machten. Der Hauptunterzug wurde dendrochronologisch auf 1388 (+/- 5 Jahre) datiert. Deutlich zu erkennen ist auf dem Foto von 1919, dass das Haus wohl einst zwei verschiedene Besitzer hatte, und das von 1774 an bis 1983, als beide Haushälften in den Besitz des heutigen Eigentümers gelangten. Stammt ein Gebäude aus alten Zeiten, ranken sich auch Sagen um ein solches Gemäuer: Die Heiden, die ehemals auf dem Lüderich wohnten, hatten nach dem Einsturz ihres Berges ihr Domizil in Haus Scheltensülz aufgeschlagen, von wo aus sie Raubzüge im Sülztal veranstalteten. Jedoch wurde die Burg von der christlichen Bevölkerung belagert, und nur die Heiden, die sich taufen ließen, kamen mit dem Leben davon. Wie auch immer, die Verbindung mit dem Lüderich und dem dortigen Bergbau mag in der Geschichte der Sülzer Burg sicher eine Rolle gespielt haben.
Wie das Haus erhalten blieb
Die Geschichte der Sülzer Burg nahm in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts einen günstigen Lauf: Dipl. Ing. N.J. Sturm, der beruflich bereits mit Sanierungen von historischen Gebäuden zu tun hatte, konnte durch glückliche Zufälle und in großem Einvernehmen mit den Vorbesitzerinnen die beiden Haushälften 1983 und 1991 erstehen. Damit ergab sich die Möglichkeit einer umfangreichen fach- und sachgerechten Restaurierung des gesamten Burggebäudes. Dass der geschichtsinteressierte neue Burgbesitzer die Gelegenheit nutzte, bei der Freilegung von Mauern und Decken auch die Baugeschichte untersuchen zu lassen, führte zu einer 130 Seiten starken Publikation im Rahmen der Schriftenreihe des Geschichtsvereins Rösrath (Band 38). Beschrieben wird darin nicht nur, wie eine mächtige Mittelsäule aus einem 1470 gefällten Eichenstamm die Deckenkonstruktionen trägt, sondern auch die einstige Umgebung des ursprünglich viergeschossigen Burghauses mit Wassergräben und Zugbrücke.
Das Denkmal
Das dreigeschossige Satteldachhaus aus der spätgotischen Zeit, das bis ins 19. Jahrhundert ein weiteres Geschoss umfasste, besteht aus unverputzten Grauwackebruchsteinen, die durch Kalkmörtel verbunden sind – mit einer Wandstärke von 1,50 m im Untergeschoss (Fotos Seite 3 unten). Die Fensteraufteilung ist unregelmäßig. Reste von Werksteingewänden im Obergeschoss deuten auf ehemalige gotische Fenster mit steinernen Fensterkreuzen hin, Verriegelungslöcher an Fenstern und Eingangstüre zeugen von der Wehrhaftigkeit. Eine Besonderheit des Gebäudes bildet die über 600 Jahre alte Stützkonstruktion, deren reich verzierte Mittelsäule bis ins 2. Obergeschoss reicht und die Deckenunterzüge trägt. Erwähnenswert sind jedoch auch ein ehemals offener Kamin mit Rauchabzug über zwei Etagen, die Wendeltreppe, getragen von einer Treppenspindel mit doppelt gekehltem Handlauf, sowie der noch von der ehemaligen Zugbrücke replizierte ursprünglich eicherne Fundamentbalken aus dem späten 16. Jahrhundert.
Literatur
- Wilhelm Becker, Scheltensülz – Von einem der ältesten Burghäuser des Bergischen Landes und seinen Bewohnern, Schriftenreihe des Geschichtsvereins Rösrath, Band 38, Rösrath 1997
- Barbara Wenig, Rösrather Geschichtspfade (Route 1, S. 37 ff.), Rösrath 1994
- Geschichtsverein Rösrath, Schriftenreihe Bd. 47, „denk mal: 112 denkmalwürdige Objekte im Stadtgebiet Rösrath“, Rösrath 2017
