Ein Rittergut mit reichen Besitzungen
In einem Wiesengelände an der Straße nach Lüghausen, seit dem Eisenbahnbau 1909 von Hoffnungsthal durch den mächtigen Damm mit dem Bahnhof abgeschnitten, liegt das „Haus Stade“. Die Gebäude wurden 1842 an dieser Stelle neu errichtet, nachdem der Vorgängerbau aus dem Jahre 1642 niedergebrannt war. Über dem Eingang auf der Südseite erinnert ein Wappenstein aus dem Jahre 1631 an die Familie von Loë, deren Name besonders mit der ehemaligen Wasserburg verbunden ist.
1450 gelangte die Familie von Loë in den Besitz dieses Rittergutes, das 1363 erstmals urkundlich erwähnt wurde und reich an Besitzungen war, die sich bis auf die fruchtbaren Höhenrücken der Hoffnungsthaler Berge erstreckten. Zusammen mit den Herren der Häuser Venauen und Eulenbroich war es Gerhard Wilhelm von Loë, der zur Gründung des Klosters 1672 in Rösrath beitrug: Da er und die Familien in Venauen und Eulenbroich katholisch geblieben waren, wünschten sie sich eine „ortsnahe seelsorgliche Betreuung“, da die Katholiken nach der Gründung der evangelischen Gemeinde in Volberg zur Pfarrei Altenrath gehörten und lange Wege durch das Sülztal bis in die Wahner Heide zur Kirche in Kauf nehmen mussten.
Als dann aber Gerhard Wilhelm starb und seine letzte Ruhestätte in Rösrath erhalten hatte, trat seine Frau nach ihrer Hochzeit mit Adolf von Landsberg wieder dem evangelischen Glauben bei, wurde in Volberg beerdigt, was die Kinder veranlasste, fortan die Volberger Kirche zu unterstützen – ein recht typisches Beispiel für die ehemals konfessionell streng geteilte Gemeinde Rösrath. Die für die Familie reservierten Kirchenstühle in der Volberger Kirche zeugen heute noch davon.
Von der Serumstation zum IT-Campus
Eine völlig neue Funktion hatte Haus Stade nach dem Ersten Weltkrieg als Pferdegestüt und Produktionsstätte für Impfserum, geführt von einer Hoffnungsthaler Familie. In dieser Serumstation, in der bis zu 100 Pferde gehalten wurden, produzierte man ein Serum für die Entwicklung von Antikörpern gegen Diphtherie und Tetanus. Nach einer längeren privaten Nutzung seit 1953 erfuhr Haus Stade im 21. Jahrhundert einen neuen Aufschwung. Die Netempire, ein auf Individuallösungen spezialisiertes Softwareunternehmen, verlegte ihren Sitz nach Hoffnungsthal auf die drei Hektar große Anlage von Haus Stade. Entsprechend der ältesten Urkunde nutzen sie für ihren Firmensitz die historische Schreibweise „Haus Staade“. Die Netempire schätzt die lange Geschichte ihres Standortes und hat die Gebäude unter Berücksichtigung der historischen Ursprünge erneuert, so dass neben modernen Büroarbeitsplätzen auch Seminarräume und Pensionszimmer entstanden sind. Inzwischen entwickelt sich Haus Staade zu einem belebten Campus für IT-Unternehmen und Startups. Das Sozialangebot für alle Mitarbeiter ist auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance ausgerichtet, mit Fitnessraum, Sandplatz für Volleyball, Außenarbeitsplätzen im Grünen, täglich frisch gekochtem Mittagessen und einer betrieblichen Kinderbetreuung, die auch externen Eltern aus Rösrath offensteht. Heute entwickeln am Campus Haus Staade neben der Netempire die Sparkassen-Tochter rheinlandmobil GmbH und die zeitgeist digital GmbH IT-Lösungen im Kundenauftrag. Die Start-Up Lösung „YES.com“ wird hier vor Ort aufgebaut, um von Hoffnungsthal aus den Markt der digitalen Identifizierung international zu revolutionieren.
Das Denkmal
Von dem 1631 errichteten Gebäude sind beim Wiederaufbau 1842 nur Teile des aufgehenden Mauerwerks verwendet worden. Das Haupthaus besteht aus mehreren verschachtelten Bauteilen und war ursprünglich wohl von einem Wassergraben umgeben. Den Grundbau bildet ein zweigeschossiges Satteldachhaus mit Krüppelwalmen im Mittelteil. Der Hauptbau ist massiv und verputzt, ebenso wie der westlich anschließende dreigeschossige Turm, der mit einem flachen Zeltdach versehen ist. An der südlichen Traufseite ist das wiederverwendete Wappen von 1631 eingelassen. An der Hofseite ist eine gusseiserne Takenplatte eingemauert, die ein Johanniterkreuz und die inschriftliche Datierung 1626 zeigt. Sie wurde im Erdboden vor dem Haus gefunden und nachträglich in die Hauswand eingesetzt. An den schlanken Satteldachbau ist an seiner Süd- und Ostseite je ein eingeschossiger Erker angesetzt, der über einer hohlkehlenartig eingeschwungenen Auskragung auslädt. Südöstlich des Haupthauses hat sich auf einer Anhöhe noch ein Teil der Stallungen, bestehend aus zwei im rechten Winkel aneinander gesetzten Fachwerkbauten, erhalten.
Literatur:
- Klaus-Dieter Gernert, Helmut Wolff u.a., Chronik der Gemeinde Rösrath Bd. 1, Rösrath 1993
- Hoffnungsthal, ein geschichtliches Bilderbuch, Schriftenreihe des Geschichtsvereins Rösrath, Band 36, Rösrath 2006
- Barbara Wenig, Rösrather Geschichtspfade (Route 1, S. 57 ff.), Rösrath 1993
- Geschichtsverein Rösrath, Schriftenreihe Bd. 47, „denk mal: 112 denkmalwürdige Objekte im Stadtgebiet Rösrath“, Rösrath 2017
