Von Ellersberg kommend, erreichen wir am Ortseingang von Forsbach den Altvolberger Hof. Wie wenig die Menschen dieses Ortsteils Altvolberg mit dem Dorf Forsbach zu tun hatten – oder vielmehr zu tun haben wollten -, haben wir bereits erfahren. Der um 1860 auf noch älteren Grundmauern als Gast- und Bauernhof erbaute Komplex steht auf einem vermutlich seit Jahrhunderten bewohnten Platz. Helmut Wolff spricht von „wie auf einer Perlenschnur aneinandergereihter Höfen und Bauernstellen, die der Sicherung der südöstlichen Begrenzung des königlichen Forstes“ dienten. „Die Gebäude sind als Fachwerkhäuser errichtet, und nur das Hauptgebäude zeigt zur Straßenseite eine stattliche Fassade. Diese wurde um 1910 von polnischen Arbeitern ausgeführt, die beim Bau der Eisenbahnstrecke Hoffnungsthal – Overath beschäftigt waren. Neben Ställen und Scheunen gehörten so außergewöhnliche Einrichtungen wie ein Carbide-Häuschen und ein Widder zu den Bauten des Altvolberger Hofes. Dies findet seine Erklärung in der Besitzergeschichte dieses Anwesens:
Gustav Wielpütz, der den Hof 1887 ersteigert hatte, stammt aus einer Schmiede, die sich gegenüber des Gasthauses „Weierhof“ befand. Er wusste sich die damals vorhandenen Möglichkeiten der Technik zunutze zu machen. Und so leitete er das Wasser einer am Weierhof befindlichen Quelle mit Hilfe eines sog. Widders zu einem Hochbassin am Altvolberger Hof. Dies ersparte das mühsame Wasserschöpfen am Brunnen.
Der „Hydrauliche Widder“ ist eine Wasserhebeanlage, die die Energie des fließenden Baches nutzt, um einen Teil des Wassers (etwa ein Drittel) in höher gelegene Wasserentnahmestellen zu pumpen. Eine Widderanlage ist nicht wirtschaftlich, arbeitet aber Tag und Nacht ohne wesentliche Wartung und mit relativ geringen Instandhaltungskosten. Auch das Gas, mit dem die vielen Lichtquellen in Haus und Hof gespeist wurden, produzierte man selbst: Gustav Wielpütz hatte zu diesem Zweck ein sogenanntes Carbide-Häuschen gebaut. Hier wurde Calcium-Karbid (CaC2) absolut trocken gelagert. Unter wohldosierter Hinzufügung von Wasser wurde Acetylen (C2H2) hergestellt, ein brennbares, aber explosives Gas. Diese hochexplosive Anlage war sorgfältig gesichert, und so hat es nie einen Unfall gegeben.
Der Gedanke weitgehender Unabhängigkeit, aber auch bergischer Originalität führte zu dem Bemühen, möglichst das in der Landwirtschaft Erzeugte in der Gastwirtschaft umzusetzen. Alles, was dem Gast im Altvolberger Hof an deftiger bergischer Kost vorgesetzt wurde, war selbst gemacht: Brot, Butter, Wurst, Schinken und sogar die Marmelade. Die Gäste, darunter viele Kölner, die mit der Straßenbahn bis zur Haltestelle Königsforst fuhren und dann zu Fuß durch den Wald kamen, wussten das Angebot zu schätzen. Was sie vielleicht nicht wussten: der schwere Teig für das Schwarzbrot wurde mit den Füßen geknetet. Ganze 15 Minuten lang schrubbte der Bauer vorher die Füße mit Wasser und einem Bündel Heu!
Eine weitere Attraktion erhielt der Altvolberger Hof 1929 mit dem Einbau einer Kegelbahn, die Hubert Wielpütz errichten ließ, nachdem er 1928 das Anwesen übernommen hatte. Während des Zweiten Weltkriegs ruhte die Gastronomie bis auf die Schankwirtschaft. Die Gaststube diente deutschen Soldaten als Schreibstube. Im Gewölbekeller fanden Familie und Nachbarn Schutz vor Fliegerangriffen und Artilleriebeschuss. Als Splitterschutz wurden an die Außenwände des Hauses Baumstämme schräg angelegt, die man mit einer dicken Schicht Stroh belegte.
Die Gebäude wurden dennoch durch in der Nähe niedergehende Bomben beschädigt. So traf eine Luftmine ein Haus an der Einmündung des Wiesenwegs in die Bensberger Straße. Fünf Menschen kamen dabei ums Leben. Ein Bombenteppich fiel im nahen Kurtenwald, wo sich ein Lager der SS befand. Nach dem Angriff konnte Hubert Wielpütz Mutter und Tochter der Familie Parsch aus den Trümmern ihres Wochenendhauses befreien, das am Rande des Kurtenwaldes gestanden hatte. Die Bombentrichter im Wald dienten noch lange als Müll- und Abfallgruben.
1959 gab Hubert Wielpütz die Landwirtschaft auf und verpachtete die Gaststätte an Erich Buchholz. Soweit noch eine landwirtschaftliche Nutzung möglich war, wurden die Felder und Wiesen von den benachbarten Bauern weiter bewirtschaftet, der Rest in Bauland umgewandelt. In den 70er Jahren übertrug Hubert Wielpütz seiner Tochter Hildegard Lenke den Altvolberger Hof. Unter den Pächtern Hinzmann, Knüppel, Manshausen und Mantonovic blieb er als Speiserestaurant weiterhin ein moderner gastronomischer Betrieb.
Literatur
- Forsbach – Vom Leben eines Dorfes zwischen Königsforst und Sülztal, Schriftenreihe Geschichtsverein Rösrath, Band 26, Rösrath 1995
- Geschichtsverein Rösrath, Schriftenreihe Bd. 47, „denk mal: 112 denkmalwürdige Objekte im Stadtgebiet Rösrath“, Rösrath 2017
