Der kluge Kaufmann Rudolf Philipp Boullé aus Porz begann 1773 mit der Errichtung des „Hoffnungsthaler Hammers“ an der Sülz, der schließlich 1816 von der oberbergischen Unternehmerfamilie Reusch übernommen wurde, die den Standort zu einem großen Metall verarbeitenden Betrieb ausbaute. Zusammen mit der Bergwerksgesellschaft „Vieille Montagne“ finanzierte Reusch 1890 den Bau der ersten Eisenbahnlinie von Bensberg ins Sülztal, der beiden Firmen den notwendigen Bahnanschluss brachte. Diese Bahnstrecke existierte bis in die 1960erJahre und führte entlang der Hauptstraße unmittelbar an der Gartenmauer der beiden Reusch-Villen vorbei. Es handelt sich um die Villen Carl Reusch (Hauptstraße 310) und Gustav Reusch (Hauptstraße 312). Sie entstanden 1895 und 1896. Sie sollten stellvertretend für viele ländliche Villen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sein, so Johannes Ralf Beines im Band 4 der Schriftenreihe zu den erhaltenswerten Bauten und Denkmälern Rösraths, und bildeten eine „Vermengung von ‚deutschen’ Renaissancemotiven mit Elementen des sogenannten Schweizerstils“. Klingt wie eine Anlehnung an die „Bergische Schweiz“, wie man um die Jahrhundertwende die Gegend um die „Sommerfrische“ Adelenhof an der Bleifelder Straße nannte. Das Erlebnis der Natur hat jedenfalls eine besondere Rolle in diesen Villen gespielt und zeigt sich u.a. in den zahlreichen Gartenpavillons in den Parks.
Der Baustil beider Villen ist typisch für das ausgehende 19. und beginnende 20. Jahrhundert, oft auch als „Heimatstil” bezeichnet, ein lebhafter asymmetrischer Baukörper mit hohen Dachaufbauten, Risaliten, Erkern und hoch aufragenden Dachlandschaften. Die Wintergärten sind erst nachträglich angebaut worden, und zwar durch den in Hoffnungsthal bekannten Architekten Franz Brantzky.
Literatur:
- Erhaltenswerte Denkmäler und Bauten in der Gemeinde Rösrath; Schriftenreihe Geschichtsverein Rösrath, Band 4, Rösrath 1980
- Barbara Wenig, Rösrather Geschichtspfade (Route 1, S. 57 ff.), Rösrath 1993
- Geschichtsverein Rösrath, Schriftenreihe Bd. 47, „denk mal: 112 denkmalwürdige Objekte im Stadtgebiet Rösrath“, Rösrath 2017
