Wer sich darüber wundert, dass das Haus Nr. 79 „schräg“ liegt und nicht in die übrige Bebauung zu passen scheint, soll wissen, dass die Bergische Landstraße bei der Errichtung des Hauses 1838 noch einen anderen, nicht geradlinigen Verlauf nahm, vorbei an der Burg „Scheltensülz“, einem der ältesten Gebäude der Stadt (9). Seit seiner Errichtung war das Haus ein eigenständiges landwirtschaftliches Anwesen, dessen Besitzer, Familie Schwiegelshohn, sich seit 1809 im Bereich „Oberste Sülz“ nachweisen lässt. Die Ahnentafel reicht zurück bis zum Jahr 1607.
Das Besondere an dem Haus Nr. 79: Es ist „originalgetreu“ eingerichtet geblieben und wird liebevoll von Annliese Iserhardt gepflegt. Geboren in Köln kam sie im Krieg zunächst nach Overath und erst nach ihrer Heirat mit Willi Iserhardt ins Sülztal nach Hoffnungsthal, wo sie das Wohnhaus ihrer Schwiegereltern kennenlernte. Die hatten hier bereits zusammen mit ihren Eltern gewohnt. Als gelernte Schneiderin – 25 Jahre lang war sie in einer Engelskirchener Modefirma tätig – bekam sie Spaß daran, das Haus in einem guten Zustand innen wie außen zu erhalten, auch wenn sie das mittlerweile 30 Jahre lang als Hobby betreibt. Ihr Mann Willi brachte zu Lebzeiten schon mal den Spruch über die Lippen: „Wat wellste mit dem ahlen Krom“ – trotzdem ging ihr die Freude an allem, was die Familie und die Ahnenforschung anging, nie verloren.
Die Küche mit Herd und Backofen, aber auch mit moderner Spüle in der massiven Holzplatte, der angrenzende Essraum mit der alten Bank, die kleinen Zimmer, die links neben dem Flur liegen, sind ebenso wohnlich hergerichtet wie die Räume mit oberen Stockwerk, in das sogar ein modernes Bad liebevoll eingebaut wurde. Dekoriert hat Anneliese Iserhardt mit Objekten aus ihrem künstlerischen Schaffen, einer teilweise hochmodern anmutenden Keramik.
Das Denkmal
Das 1838/39 errichtete Wohnhaus besteht aus einem Stockwerksbau mit über die Höhe beider Geschosse durchlaufenden Eckständern und ist weitgehend im originalen Zustand. Die Erschließung des Hauses erfolgt von der Hofseite her, an der die Talstraße einst vorbeiführte. Die Haus-türe, eine zweiflügelige Rahmenfüllungstüre mit klassizisierenden Rautenmotiven des 19. Jahrhunderts, ist ein recht originalgetreuer Ersatz, den die Eigentümer anhand eines Fotos um 1900 gesucht und hier eingesetzt haben. Auch im Innern sind im Erdgeschoss Türen ersetzt worden, jedoch wurden die alten Rundbeschläge der Vorgängertüren wiederverwendet. Die Türen im Obergeschoss sind erhalten, jeweils zur Außenseite zweifeldrig, zur Zimmerseite glatt belassen. Auch die originalen Holzdielenfußböden im Obergeschoss sind noch vorhanden, während der Boden im Erdgeschoss mit Tonkacheln gefliest ist.
Das im Südwesten anschließende eingeschossige Bruchsteinstallgebäude wurde 1893 errichtet, z.T. mit Abbruchsteinen der Burg Scheltensülz, deren Obergeschoss für ein neues Sattledach zu der Zeit abgetragen wurde. Der Anbau hat zudem einen Kellerraum auf Halbgeschosshöhe aus Bruchsteinen und einem preußischen Kappengewölbe, einen Dachraum zum Lagern von Ernteerträgen („Fruchtraum“) sowie einen Backes.
Literatur:
- Geschichtsverein Rösrath, Schriftenreihe Band 4, Erhaltenswerte Bauwerke und Denkmäler, Rösrath 1980
- Geschichtsverein Rösrath, Schriftenreihe Bd. 47, „denk mal: 112 denkmalwürdige Objekte im Stadtgebiet Rösrath“, Rösrath 2017